Lackschäden und Lackfehler. Beschreibung und Funktion
Diagnose und Beurteilung von Schäden
Lackschäden unabhängig von ihrer Ursache gehören zum Alltag in der Lackierwerkstatt. Eine korrekte Beurteilung des Schadens und die Ermittlung der Ursache sind Voraussetzungen für eine fachgerechte Lackreparatur.
Trotz verbesserter Lacke und neuer Spritzverfahren können Lackprobleme aus verschiedenen Gründen weiterhin auftreten.
Die Diagnose erfolgt am besten bei Tageslicht, jedoch nicht in direkter Sonneneinstrahlung. Eine genaue Beurteilung kann auch unter künstlichem Licht mit Tageslichtlampen erfolgen.
Leitfaden zu Lackschäden
Die wichtigsten Lackschäden, die eine Lackreparatur erfordern, sind:
- Schäden durch biologische Verunreinigungen des Lacks, wie Vogelkot oder Insektenreste und Baumharz.
- Umweltbedingte Lackschäden durch sauren Regen.
- Metallpartikel, die durch Bahnstaub beim Transport von Fahrzeugen oder durch Industrieemissionen in die Lackoberfläche eingebettet wurden.
- Chemische Lackschäden durch industrielle Verunreinigungen wie Rauch, Kraftstoff, Säuren oder Öle.
- Mechanische Schäden durch Steinschlag während des Betriebs sowie Kratzer durch Waschanlagen und Parkplätze.
- Schäden durch Verarbeitungsfehler wie Laufnasen oder Orangenhaut.
- Schmutzeinschlüsse in der Lackschicht, z. B. durch Staub im Klarlack oder Textilflusen.
- Schäden durch Korrosion.
Vor der Reparatur solcher Lackprobleme muss eine genaue Diagnose durchgeführt werden, um die Ursache eindeutig zu bestimmen. Eine Diagnose vor Ort mit einfachen Hilfsmitteln und Verfahren ist häufig ausreichend.
Zerstörungsfreie Lackdiagnose erfolgt durch:
- Ertasten eingebetteter Partikel mit der flachen Hand.
- Optische Prüfung ohne Sichthilfsmittel bei geeigneten Lichtverhältnissen, unter passendem Winkel und aus dem richtigen Abstand.
- Optische Prüfung mit einer Lupe.
- Messung der Schichtdicke mit magnetischen Schichtdickenmessgeräten für Stahlbleche.
- Elektronische Messung der Schichtdicke an Stahl- und Aluminiumblechen sowie an Kunststoffbauteilen.
Als einfaches Prüfverfahren dient der Fingernageltest. Mit etwas Erfahrung lässt sich damit die vorhandene Härte des Lacks bestimmen.
Prüfverfahren, bei denen der Lack teilweise zerstört wird:
- Prüfung der Haftung mit Klebeband.
- Gitterschnitt-Prüfverfahren zur Überprüfung der Haftfestigkeit.
Unter bestimmten Umständen reichen diese Prüfverfahren für eine eindeutige Diagnose nicht aus. In diesem Fall sind Lackuntersuchungen unter kontrollierten Bedingungen durchzuführen.
Mess- und Prüfgeräte für lackierte Oberflächen
- Geräte zur Messung der Schichtdicke
- Lupe
- Geeignete Fotoausrüstung mit Makroobjektiv
Lackschaden durch Umwelteinflüsse
In allen nachfolgend beschriebenen Fällen von Lackschäden muss bei irreparablen Schäden neuer Lack aufgetragen werden.
- Vogelkot
- Insekten
- Baumharz und Baumsaft
- Teerflecken
- Rostfilm/Ablagerungen aus industriellen Niederschlägen
- Batteriesäure
- Bremsflüssigkeit
Lackschaden durch Vogelkot
Schäden durch herabfallenden Vogelkot zeigen sich meist als matte, angeätzte Stellen der Decklackschicht in unterschiedlicher Größe. Bei längerer Einwirkung am Fahrzeug können Risse entstehen und die Grundierung angeätzt werden.
Ursache/Art des Schadens:
- Vogelkot ist besonders schädlich in Verbindung mit Wärme und Feuchtigkeit. Harnstoff (weißer Anteil) hat einen sehr hohen Salzgehalt und ist sehr aggressiv.
- Der Schweregrad der Beschädigung hängt von Art, Menge, Einwirkungsdauer und Konzentration ab.
- Die Folgen sind Risse, Ätzspuren bis hin zur Auflösung der Decklackschicht.
Reparatur der Beschädigung:
- Mit Motorcraft® Bug and Tar Remover reinigen.
- Bei geringfügiger Beschädigung polieren.
Lackschaden durch Insekten
An den Stellen, an denen Insekten auf Motorhaube, Dach und Stoßfänger aufgeprallt sind, leichte Ätzspuren oder angeätzte Lackstellen mit teilweise sichtbaren Spachtelstellen.
Ursache/Art des Schadens:
- Die Decklackschicht wird durch Aufquellen und Anätzen der Oberfläche schnell zerstört.
- Aufprallende Insekten haften an der Lackoberfläche. In Verbindung mit Feuchtigkeit und Wärme dringen die durch entstehende Säuren aus den Insektenkörpern in die Decklackschicht ein.
- Die Beschädigung reicht in der Regel nur wenige Millimeter tief.
Reparatur der Beschädigung:
- Die betroffene Stelle mit Motorcraft® Bug and Tar Remover reinigen.
- Mit Motorcraft® Detail Wash waschen.
- Mit Hartwachs schützen.
- Falls die Fahrzeugwäsche die Beschädigung nicht beseitigt, polieren.
Lackschaden durch Baumharz oder Saft
Kleine gelbbraune Flecken oder Tropfen auf waagerechten Fahrzeugteilen. Die Tropfen schmelzen in der Sonne. Harzschäden treten nur in den warmen Sommermonaten auf.
Ursache/Art des Schadens:
- Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung verbinden sich Baumharze mit den Lackschichten bzw. haften sehr gut daran und verursachen Welligkeit der Oberfläche. Je höher die Temperatur, desto stärker ist die chemische Bindung zwischen Harz und Decklackoberfläche.
Reparatur der Beschädigung:
- Motorcraft® Bug and Tar Remover gemäß den Herstellerangaben verwenden.
- Abschließend mit Wachs- und Fettentferner reinigen.
- Falls die chemische Reinigung die Beschädigung nicht beseitigt, polieren.
Lackschaden durch Harzflecken
Gelbe oder dunkle Flecken.
Ursache/Art des Schadens:
- Festsitzende Harzflecken, die zu Verfärbungen der Oberfläche führen. In einigen Fällen dringen sie durch den Klarlack bis in die Decklackschicht ein.
Reparatur der Beschädigung:
- Die lackierte Oberfläche gemäß den Herstellerangaben mit Motorcraft® Bug and Tar Remover reinigen und polieren.
Rostfilm/Industrieablagerungen
Kleine runde Flecken mit einem Durchmesser von etwa 1 mm in allen Farbtönen von Schwarz, Grau und Blau bis Rötlich auf waagerechten Fahrzeugflächen.
Ursache/Art des Schadens:
- Ablagerungen von Anlagen, die flüssige Brennstoffe verwenden, und von Industriebetrieben beschädigen die Lackoberfläche, besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit und Inversionswetterlagen.
- Mit zunehmender Einwirkungsdauer entstehen sogenannte Rosthöfe. Sie breiten sich aus, solange die Ablagerungen den Lack angreifen.
- Eisenhaltige Industrieablagerungen lassen sich nach wenigen Tagen nicht mehr entfernen!
Reparatur der Beschädigung:
Weitere Informationen siehe: Lackfehler und Lackschäden (501-36 Lackierung – Allgemeine Informationen, allgemeine Verfahren).
Schäden durch Batteriesäure
Spritzer von Batteriesäure durch unsachgemäße Handhabung von Nassbatterien.
HINWEIS: Batterien enthalten Schwefelsäure. Beim Arbeiten an oder in der Nähe der Batterie oder wenn Batteriesäure auf die Fahrzeugkarosserie gelangt, Haut und Augen vor Säurekontakt schützen. Gelangt Batteriesäure auf die Haut oder in die Augen, betroffene Stelle sofort mit Wasser spülen (mindestens 15 Minuten) und unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Wird Säure verschluckt, sofort einen Arzt aufsuchen. Die Nichtbeachtung dieser Hinweise kann zu Verletzungen führen.
Ursache/Art des Schadens:
- • Anätzen der Lackschicht bis zur Zerstörung der Lackierung
Reparatur der Beschädigung:
- Batteriesäurespritzer sofort mit viel Wasser abspülen und mit Motorcraft® Detail Wash neutralisieren.
- Bei kurzer Einwirkungsdauer der Säure polieren.
Lackschaden durch Bremsflüssigkeit
Nachlässiger Umgang mit Bremsflüssigkeit. Die in der Flüssigkeit enthaltenen Glykole verursachen Quellung und Verfärbung.
Ursache/Art des Schadens:
- Temperatur und Einwirkungsdauer sind entscheidend. Spritzer führen zu Glanzverlust und Aufhellung der Farbe.
Reparatur der Beschädigung:
- Flüssigkeit von lackierten Oberflächen sofort entfernen.
- Anschließend Wachs- und Fettentferner gemäß den Herstellerangaben auftragen.
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