Allgemeine Reparaturverfahren
Bei allen Wartungs-, Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten am Fahrzeug oder an seinen Bauteilen sind die folgenden Verfahren und Anweisungen zu beachten. Dadurch lassen sich die Arbeiten effizient und fachgerecht ausführen.
Trennfugen und Dichtungen
Beim Trennen von Bauteilen an ihren Trennfugen dürfen niemals Schraubendreher oder ähnliche Werkzeuge in die Fuge eingesetzt werden, um die Teile auseinanderzuhebeln. Dadurch können schwere Beschädigungen entstehen, die beim Zusammenbau zu Öl- oder Kühlmittelverlust führen.
Das Trennen erfolgt in der Regel durch vorsichtiges Klopfen entlang der Fuge mit einem Kunststoffhammer, um die Dichtung zu lösen. Dieses Verfahren ist jedoch unter Umständen nicht geeignet, wenn Passstifte zur Lagezentrierung verwendet werden.
Wird zwischen den Trennflächen zweier Bauteile eine Dichtung verwendet, ist sie beim Zusammenbau stets zu erneuern und trocken einzusetzen, sofern im Reparaturverfahren nichts anderes angegeben ist. Die Trennflächen müssen sauber und trocken sein, und alle Reste der alten Dichtung sind zu entfernen. Zum Reinigen der Trennfläche ist ein Werkzeug zu verwenden, das die Fläche nicht verkratzt oder beschädigt. Grate und Kerben sind mit einem Ölstein oder einer feinen Feile zu entfernen.
Gewindebohrungen sind mit einem Rohrreiniger zu säubern. Sie müssen frei von Dichtmasse sein, sofern diese verwendet wird, es sei denn, es ist ausdrücklich etwas anderes angegeben.
Alle Öffnungen, Kanäle und Leitungen müssen frei sein. Sie sind durchzublasen, vorzugsweise mit Druckluft.
Simmerringe
Radialwellendichtringe lassen sich mit einem breiten, flachen Schraubendreher oder einem ähnlichen Werkzeug heraushebeln. Alternativ können mehrere selbstschneidende Schrauben in den Dichtring eingedreht und als Angriffspunkt für eine Zange oder ein ähnliches Werkzeug genutzt werden, um den Dichtring herauszuziehen.
Wird ein Radialwellendichtring aus seiner Einbaulage entfernt, sei es einzeln oder als Teil einer Baugruppe, ist er stets zu erneuern.
Die sehr feine Dichtlippe des Dichtrings wird leicht beschädigt und dichtet nicht, wenn die Fläche, auf der sie anliegt, nicht völlig sauber und frei von Kratzern, Kerben oder Riefen ist. Lässt sich die ursprüngliche Dichtfläche des Bauteils nicht wiederherstellen und sieht der Hersteller keine Möglichkeit vor, den Dichtring geringfügig zur Dichtfläche zu versetzen, ist das Bauteil zu erneuern.
Die Dichtlippen des Dichtrings sind vor scharfkantigen Teilen zu schützen, die sie beim Einbau beschädigen könnten. Nach Möglichkeit Klebeband oder eine konische Hülse verwenden. Die Dichtlippen vor dem Einbau mit Öl einschmieren. Bei Dichtringen mit zwei Lippen ist der Raum zwischen den Lippen mit Fett zu füllen.
Sofern nichts anderes angegeben ist, sind Radialwellendichtringe so einzubauen, dass die Dichtlippen zum abzudichtenden Schmiermittel zeigen.
Zum Einbau des Dichtrings ist ein Rohrstück oder ein Holzklotz passender Größe zu verwenden. Ist der Sitz des Dichtrings mit einer Schulter versehen, ist der Dichtring bis zur Schulter einzutreiben. Ist der Sitz ohne Schulter, muss der Dichtring bündig mit der Oberseite des Gehäuses sitzen, sofern keine andere Angabe gemacht wird.
Gewinde und Verschraubungen
Festgerostete Muttern, Schrauben und Bolzen treten bei Korrosion häufig auf. Kriechöl oder Lösemittel hilft oft, wenn das betroffene Teil vor dem Lösen eine Zeit lang eingeweicht wird. Auch ein Schlagschrauber mit passendem Schraubendreher- oder Steckschlüsseleinsatz kann helfen, solche hartnäckigen Verbindungen zu lösen. Wenn keine dieser Methoden funktioniert, kann es nötig sein, vorsichtig Wärme anzuwenden oder eine Metallsäge bzw. ein Muttern-Spaltwerkzeug einzusetzen.
Stehbolzen werden in der Regel entfernt, indem zwei Muttern auf dem Gewindeteil gegeneinander gekontert werden. Anschließend wird die untere Mutter mit einem Schlüssel gedreht, um den Stehbolzen herauszuschrauben. Bolzen oder Stehbolzen, die unterhalb der Oberfläche des Bauteils abgebrochen sind, lassen sich mitunter mit einem handelsüblichen Schraubenausdreher entfernen. Vor dem Einschrauben eines Bolzens oder Stehbolzens in ein Sackloch ist sicherzustellen, dass das Loch völlig frei von Öl, Fett, Wasser oder anderen Flüssigkeiten ist. Andernfalls kann das Gehäuse durch den hydraulischen Druck beim Einschrauben reißen.
Beim Anziehen einer Kronenmutter für einen Splint ist die Mutter auf das vorgegebene Drehmoment anzuziehen, sofern zutreffend, und danach weiter bis zur nächsten Splintbohrung. Die Mutter darf niemals gelöst werden, um die Splintbohrung auszurichten, sofern dies im Reparaturverfahren nicht ausdrücklich angegeben ist.
Beim Prüfen oder Nachziehen einer Mutter oder Schraube auf ein vorgegebenes Anzugsmoment ist die Verbindung um eine Viertelumdrehung zu lösen und dann auf den vorgegebenen Wert nachzuziehen. Dies darf jedoch nicht erfolgen, wenn mit Drehwinkelanzug gearbeitet wurde.
Bei einigen Schraubverbindungen, insbesondere bei Zylinderkopfschrauben oder -muttern, wird für die letzten Anzugsstufen kein Drehmoment mehr angegeben, sondern ein Drehwinkel. Üblicherweise werden die Schrauben oder Muttern in der richtigen Reihenfolge zunächst mit einem relativ niedrigen Drehmoment angezogen, danach folgen eine oder mehrere Stufen mit vorgegebenen Drehwinkeln.
Sicherungsmuttern, Sicherungsbleche und Scheiben
Jede Verbindung, die sich beim Anziehen gegen ein Bauteil oder Gehäuse dreht, muss immer mit einer Scheibe zwischen Verbindungselement und Bauteil bzw. Gehäuse montiert werden.
Federringe oder Spaltscheiben sind stets zu erneuern, wenn sie zur Sicherung eines kritischen Bauteils verwendet werden, beispielsweise einer Pleuellagerschraube oder -mutter. Sicherungsbleche, die zum Sichern einer Mutter oder Schraube umgebogen wurden, sind stets zu erneuern.
Selbstsichernde Muttern dürfen an unkritischen Stellen wiederverwendet werden, sofern beim Überfahren des Sicherungsteils auf dem Schraubengewinde ein Widerstand spürbar ist. Es ist jedoch zu beachten, dass selbstsichernde Stahleinsatzmuttern nach längerer Verwendung an Wirkung verlieren. In solchen Fällen sind sie grundsätzlich zu erneuern.
Splinte müssen immer durch neue Splinte der richtigen Größe für die Bohrung ersetzt werden.
Wenn Schraubensicherungsmittel an den Gewinden einer Schraube oder Mutter haftet, die wiederverwendet werden soll, ist es mit einer Drahtbürste und Lösungsmittel zu entfernen. Beim Zusammenbau ist frisches Schraubensicherungsmittel aufzutragen.
Spezialwerkzeuge
Einige Reparaturverfahren in diesem Handbuch erfordern Spezialwerkzeuge wie eine Presse, zwei- oder dreibeinige Abzieher, Federspanner usw. Wo immer möglich, werden geeignete, leicht verfügbare Alternativen zu den Spezialwerkzeugen des Herstellers beschrieben und im Einsatz gezeigt. In einigen Fällen, in denen keine Alternative möglich ist, musste auf ein Herstellerwerkzeug zurückgegriffen werden. Dies geschah aus Sicherheitsgründen sowie zur effizienten Durchführung der Reparatur. Sofern Sie nicht über hohe Fachkenntnisse verfügen und die beschriebenen Verfahren nicht vollständig verstehen, versuchen Sie niemals, auf ein Spezialwerkzeug zu verzichten, wenn das beschriebene Verfahren dessen Einsatz vorschreibt. Es besteht nicht nur ein sehr großes Verletzungsrisiko, sondern es können auch an den beteiligten Bauteilen kostspielige Schäden entstehen.
Umweltaspekte
Bei der Entsorgung von Altöl, Bremsflüssigkeit, Frostschutzmittel usw. sind mögliche schädliche Umweltauswirkungen zu berücksichtigen. Gießen Sie diese Flüssigkeiten beispielsweise nicht in Abflüsse der allgemeinen Kanalisation und kippen Sie sie nicht auf den Boden, wo sie versickern. Viele kommunale Wertstoffhöfe bieten eine Möglichkeit zur Altölentsorgung an, ebenso einige Werkstätten. Stehen keine dieser Einrichtungen zur Verfügung, holen Sie weitere Informationen beim zuständigen Umwelt- bzw. Gesundheitsamt ein.
Im Zuge der allgemein verschärften Gesetzgebung zur Emission umweltschädlicher Stoffe von Kraftfahrzeugen sind die Hauptjustierpunkte des Kraftstoffsystems bei den meisten aktuellen Fahrzeugen mit manipulationssicheren Vorrichtungen versehen. Diese Vorrichtungen dienen in erster Linie dazu, zu verhindern, dass nicht qualifizierte Personen das Kraftstoff-Luft-Gemisch verstellen und dadurch die Schadstoffemissionen erhöhen. Werden bei Wartung oder Überholung solche Vorrichtungen angetroffen, sind sie nach Möglichkeit gemäß den Vorgaben des Fahrzeugherstellers bzw. den geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu erneuern oder wieder anzubringen.
Hinweis: Altöl in den Abfluss zu gießen ist umweltschädlich und verboten. Die Adresse der nächsten Altölsammelstelle erfahren Sie über die gebührenfreie Rufnummer.
Testen Sie sich
Ein kurzes Quiz zum Opel Corsa: Zu jeder Antwort gibt es eine Erklärung und einen Link zur Handbuchseite.