Kurbeltrieb
* Vor dem Ausbau der Kolben mit Pleuelstangen den Zylinderkopf, die Ölwanne und das Ölstandsmessrohr ausbauen (siehe Unterabschnitt 3.1.1.11 und Unterabschnitt 3.1.1.12).
Ausbau
VORGEHENSWEISE

1. Mit dem Fingernagel prüfen, ob an der Zylinderwand durch Kolbenringverschleiß eine Stufe entstanden ist (etwa 6,0 mm unterhalb der Zylinderoberkante). Eine durch Ablagerungen oder Verschleiß entstandene Stufe mit einem Stufenreiber entfernen. Die Anweisungen des Werkzeugherstellers beachten. Wird dieser Arbeitsschritt nicht ausgeführt, kann beim Herausziehen von Kolben mit Pleuel aus dem Zylinder der Kolben brechen.
2. Nach dem Entfernen der Stufe den Motor so drehen, dass die Kurbelwelle oben liegt.

3. Vor dem Ausbau der Pleuel deren Axialspiel mit einem Fühlerlehrensatz prüfen. Fühlerlehre zwischen Pleuel und Kurbelwelle einführen und durch Wahl der Lehrendicke das Spiel beseitigen. Das Axialspiel entspricht der Gesamtdicke der Fühlerlehren, bei der das Spiel verschwindet. Überschreitet das Axialspiel des Pleuels den Sollwert, ist das Pleuel zu ersetzen.
4. Das Axialspiel der übrigen Pleuel auf die gleiche Weise messen. Werden neue Pleuel (oder eine neue Kurbelwelle) eingebaut, kann das Axialspiel unter dem Sollwert liegen (in diesem Fall die Pleuel nachschleifen; bei Bedarf in einer Fachwerkstatt nachfragen). Die Prüfung für die übrigen Pleuel wiederholen.

5. Die Markierungen auf Pleueln und Pleueldeckeln prüfen. Fehlen die Markierungen, diese so eintragen (körnen), dass die Anzahl der Körnerschläge der Zylindernummer entspricht, in der das Pleuel eingebaut ist. Die mit Pfeil gekennzeichneten Markierungen beziehen sich auf die Maßgruppe des Pleuellagers, nicht auf die laufende Nummer des Pleuels!
6. Muttern lösen, jeweils um 1/2 Umdrehung pro Schritt herausdrehen, bis sich die Muttern von Hand abdrehen lassen. Den Pleuelדeckel des ersten Zylinders zusammen mit der Pleuellagerschale abnehmen. Die Pleuellagerschale nicht aus dem Deckel entnehmen.
* Bei den Motoren 1,3 und 1.6 L sind die Pleuelschrauben in den Pleuelkörper eingepresst, und die Deckel werden mit Muttern befestigt; bei den Motoren 1.8 L werden die Deckel mit Schrauben befestigt, die in den Pleuelkörper eingeschraubt werden.

7. Stücke von Gummi- oder Kunststoffschläuchen über die Schrauben des Pleueldeckels stecken, damit beim Herausziehen des Pleuels weder der Kurbelwellenzapfen noch die Zylinderwände beschädigt werden.
8. Kolben mit Pleuel und oberer Pleuellagerschale durch die Zylinderoberseite herausdrücken. Dazu einen Holzklotz verwenden, der an der oberen Pleuellagerschale anliegt. Wenn sich der Kolben nur schwer herausdrücken lässt, nochmals prüfen, ob die Stufe am oberen Zylinderende vollständig entfernt wurde.
9. Die Schritte für alle übrigen Zylinder wiederholen.
* Beim Herausziehen von Kolben mit Pleuel aus dem Zylinder die Kurbelwelle so drehen, dass das Pleuel parallel zur Zylinderwand bleibt. Den Kolben nicht herausziehen, wenn der zugehörige Kurbelwellenzapfen stark zur Zylinderachse geneigt ist.
10. Nachdem Kolben mit Pleueln aus den Zylindern entfernt wurden, Pleuellagerdeckel mit den Pleuellagerschalen wieder zusammensetzen und die Muttern von Hand anziehen. Bis zur Montage die Lagerschalen an ihren ursprünglichen Plätzen aufbewahren, um versehentliche Beschädigungen der inneren Flächen von Pleueln und PleuelDeckeln zu vermeiden.
11. Kolben nicht von den Pleueln abnehmen (weitere Informationen siehe unten.
Prüfung
Vor der Prüfung Pleuel und Kolben reinigen und die alten Kolbenringe von den Kolben abnehmen.
* Alte Kolbenringe müssen bei der Motorzerlegung immer ersetzt werden.
VORGEHENSWEISE
1. Kolbenringe vorsichtig mit einem geeigneten Spezialwerkzeug von den Kolben abnehmen. Dabei die Kolbenoberflächen nicht beschädigen.
2. Ablagerungen von den Kolbenböden abkratzen. Nach dem Entfernen der groben Schicht den Kolbenboden mit einer Bürste oder Schleifleinen auf Stoffbasis reinigen. Die Rückstände auf keinen Fall mit einer Drahtbürste entfernen, die in eine Bohrmaschine eingespannt ist, da dies das weiche Aluminium der Kolben angreifen kann.

3. Mit einem speziellen Werkzeug die Kohleablagerungen aus den Kolbenringnuten entfernen (Foto links). Steht kein solches Werkzeug zur Verfügung, kann ein alter, gebrochener Kolbenring verwendet werden (Foto rechts). Nur die Ablagerungen entfernen und dabei darauf achten, kein Kolbenmaterial abzutragen. Die Oberflächen der Ringnuten nicht beschädigen.
4. Nach dem Entfernen der Ablagerungen die Ringnuten gründlich mit Lösungsmittel reinigen und mit Druckluft (falls vorhanden) gründlich trocknen. Sicherstellen, dass die Ölablaufnuten an der Einbaustelle des Ölabstreifrings sowie die Ölbohrung im Pleuel sauber sind.
5. Sind keine Anzeichen für starken Verschleiß vorhanden und ist kein Ausbohren der Zylinder erforderlich, sind die Kolben nicht zu ersetzen. Normaler Verschleiß zeigt sich in Form gleichmäßiger vertikaler Abnutzung der Laufflächen des Kolbens und in einer geringfügigen Lockerung des Sitzes des oberen Verdichtungsrings. Dennoch ist der Austausch der Kolbenringe bei einer Motorinstandsetzung zwingend erforderlich.
6. Den Kolbenschaft, die Kolbenbolzennaben und die Ringsitzflächen sorgfältig auf Risse prüfen.
7. Die Laufflächen des Kolbenschafts auf Abplatzungen und Riefen prüfen, ebenso die Mitte des Kolbenbodens auf Durchbrennspuren und die Kanten des Kolbens auf Verbrennungsspuren. Abplatzungen und Riefen deuten auf häufige Überhitzung des Motors hin, deren Ursache unter anderem eine anomale Verbrennung des Kraftstoffgemischs sein kann. In diesem Fall ist eine gründliche Prüfung des Schmier- und Kühlsystems erforderlich. Durchbrennen im Kolbenboden zeigt einen Motorbetrieb mit falscher Zündzeitpunkteinstellung an. Verbrennungen an den Kanten des Kolbenbodens werden in der Regel durch anomale Verbrennung (Klopfen) verursacht. Werden diese Mängel festgestellt, muss deren Ursache ermittelt und beseitigt werden, andernfalls kann der anomale Verschleiß erneut auftreten. Ursachen für einen anomalen Motorbetrieb können Luftansaugung am Ansaugkrümmer, falsche Zündzeitpunkteinstellung und Ausfall des Abgasrückführungssystems sein.
8. Kleine Korrosionsgrübchen (Lochfraß) am Kolben weisen auf das Eindringen von Kühlmittel in den Brennraum (sowie in das Kurbelgehäuse) hin. Auch hier muss die Ursache ermittelt und beseitigt werden, andernfalls zeigt sich die Korrosion am instandgesetzten Motor erneut.

9. Messen Sie das Spiel zwischen der Ringnutfläche und dem Kolbenring. Setzen Sie dazu einen neuen Ring in die Nut ein und schieben Sie eine Fühlerlehre zwischen Nut und Ring.
10. Prüfen Sie das Spiel an drei bis vier Stellen über die gesamte Länge der Nut. Stellen Sie sicher, dass der Ring zu der Nut passt, in die er eingebaut wird, da Ringe unterschiedliche Dicken haben. Liegt das Spiel über dem zulässigen Grenzwert, ist der Kolben zu ersetzen.

11. Prüfen Sie das Spiel zwischen Kolben und Zylinder, indem Sie den Zylinderdurchmesser (siehe Unterabschnitt 3.1.2.11) und den Kolbendurchmesser messen. Stellen Sie sicher, dass die Messungen an einem zusammengehörenden Paar vorgenommen werden. Messen Sie den Kolbendurchmesser am Kolbenhemd senkrecht zur Achse des Kolbenbolzens.
12. Das Spiel ergibt sich aus der Differenz zwischen Zylinderdurchmesser und Kolbenhemddurchmesser. Liegt das Spiel über dem zulässigen Grenzwert, ist der Zylinderblock auszubohren und es sind Kolben und Ringe in Reparaturmaßen zu ersetzen.
13. Prüfen Sie das Spiel zwischen Kolbenbolzen und Pleuelauge, indem Sie Kolben und Pleuel gegenläufig bewegen. Deutliches Spiel zeigt ein zu großes Lagerspiel und die Notwendigkeit einer Instandsetzung dieser Verbindung an.
14. Wenn die Kolben zum Austausch oder zur Beseitigung des Kolbenbolzenspiels von den Pleueln abgenommen werden müssen, übergeben Sie diese einer Fachwerkstatt. Dabei sind auch Biegung und Verdrehung der Pleuel zu prüfen. Anschließend sind die Kolben zu ersetzen.
15. Prüfen Sie die Pleuel auf Risse und andere Beschädigungen. Demontieren Sie in diesem Schritt die Pleuellagerdeckel, entnehmen Sie die Lagerschalen, reinigen Sie die Anlageflächen der Lagerschalen am Pleuellagerdeckel und am Pleuel und prüfen Sie diese auf Risse, Kratzer und Riefen. Montieren Sie nach der Prüfung das Pleuel mit den wiederverwendeten Lagerschalen und ziehen Sie die Muttern von Hand an.
* Wenn die Motorinstandsetzung durch starke Klopfgeräusche aus den Pleuellagern veranlasst wurde, sind die Pleuel unbedingt zu ersetzen.
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Ein kurzes Quiz zum Toyota Corolla: Zu jeder Antwort gibt es eine Erklärung und einen Link zur Handbuchseite.