Hauptlager und Pleuellager
ALLGEMEINE ANGABEN

Verschleißarten von Kurbelwellen- und Pleuellagern A. Kratzer durch in die Lagerbeschichtung eingebetteten Schmutz B. Unzureichende Schmierung, örtliches Abtragen der Lagerbeschichtung C. Falscher Lagereinbau, glänzende (polierte) Stellen D. Konische Zapfen, Abtragen der Lagerbeschichtung über die gesamte Lagerlänge E. Gratbildung am Lagerrand F. Ermüdungsverschleiß, Kraterbildung oder Ausbrüche
Inspection Obwohl Kurbelwellen- und Pleuellager bei einer Motorüberholung grundsätzlich ersetzt werden, sollten die gebrauchten Lager für eine sorgfältige Prüfung entsprechend ihrer Einbaulage aufbewahrt werden, da Verschleißspuren Rückschlüsse auf den allgemeinen Zustand des Motors zulassen. Die Lagerschalen sind nach der Dicke in Größengruppen unterteilt; die jeweilige Größengruppe ist durch eine Farbmarkierung auf der Lagerschale gekennzeichnet.
Ursachen für den Ausfall von Kurbelwellenlagern sind unzureichende Schmierung, Schmutz und Fremdpartikel, Motorüberlastung und Korrosion. Unabhängig von der Ursache muss diese vor dem endgültigen Zusammenbau des Motors beseitigt werden, um erneute Schäden an diesen Teilen zu vermeiden.
Zur Prüfung der Lager müssen diese aus dem Zylinderblock, den Kurbelwellen-Lagerdeckeln, den Pleuellagerdeckeln und den Pleuelstangen ausgebaut werden. Legen Sie die Lagerschalen in derselben Reihenfolge, in der sie im Motor eingebaut waren, auf eine saubere Fläche. So lässt sich das Kurbelwellenlager bestimmen, in dem das Lager verstärkt verschlissen ist. Berühren Sie die Laufflächen der Lagerschalen bei der Prüfung nicht mit den Fingern, um sie nicht zusätzlich zu beschädigen.
Schmutz und Fremdpartikel gelangen auf verschiedenen Wegen in den Motor: bei der Montage, über Filter oder über das Kurbelgehäuse-Entlüftungssystem. Verunreinigungen können auch ins Öl und von dort in die Lager gelangen. Häufig enthalten sie Metallpartikel aus der spanenden Bearbeitung von Motorteilen oder aus normalem Betriebsverschleiß. Manchmal enthalten sie Rückstände von Schleifmitteln nach Einschleif- und Schleifarbeiten, besonders bei unzureichender Reinigung des Motors danach. Unabhängig von der Herkunft werden Fremdpartikel meist in das weiche Lagermaterial eingebettet und sind leicht erkennbar. Große Partikel können nicht eingebettet werden und verursachen Kratzer und Riefen sowohl an den Lagern als auch an den Kurbelwellenzapfen. Der beste Schutz vor solchem Verschleiß ist gründliche Reinigung der Teile und peinliche Sauberkeit beim Zusammenbau des Motors. Zur Vermeidung von vorzeitigem Verschleiß wird außerdem empfohlen, Öl und Filter häufiger zu wechseln.
Unzureichende Motorschmierung ("Ölhunger") kann durch eine Reihe miteinander zusammenhängender Ursachen entstehen. Dazu gehören Motorüberhitzung (führt zur Verdünnung des Öls), Überlastung (führt zum Herausdrücken des Öls von den Lageroberflächen) sowie Druckabfall infolge von Ölleckage bzw. Ölverlust (aufgrund erhöhter Lagerspiele, Verschleiß der Ölpumpe und hoher Kurbelwellendrehzahl). Eine Ursache für beschleunigten Verschleiß der Kurbelwellenlager ist auch das Verstopfen der Ölkanäle, meist durch Fehlausrichtung der Schmierbohrungen in den Kurbelwellenlagern mit denen im Zylinderblock und in den Pleueln. Dies führt zu unzureichender Schmierung und zum Ausfall der Lager. Wenn unzureichende Schmierung die Ursache der Schädigung ist, wird das Lagerbeschichtungsmaterial vom Stahlträger abgerieben oder herausgepresst. Die Temperatur steigt auf ein solches Niveau, dass der Stahlträger des Lagers durch Überhitzung ausbricht und einen bläulichen Farbton annimmt.
Die Lebensdauer der Kurbelwellenlager hängt auch wesentlich vom Fahrverhalten ab. Die Lager werden stärker belastet bei Fahrt mit vollständig geöffneter Drosselklappe oder bei niedriger Geschwindigkeit im hohen Gang (unter schweren Betriebsbedingungen des Motors). Bei hohen Belastungen wird der Ölfilm herausgedrückt. Die Lager erfahren Biegeverformungen, wobei Mikrorisse entstehen (Ermüdungsverschleiß). In der Regel löst sich die Lagerbeschichtung in Form kleiner Partikel vom Stahlträger.
Kurzstreckenfahrten können Korrosionsverschleiß der Lager verursachen, da bei unzureichendem Aufwärmen das kondensierte Wasser und die korrosionsfördernden Gase nicht entweichen können. Diese Bestandteile sammeln sich im Öl an und bilden Säuren und unlösliche Ablagerungen. Mit dem Ölfluss zu den Lagern kommt es durch die Säuren zur Korrosion, was zur Zerstörung der Lager und zu deren Ausfall führt.
Eine falsche Montage der Lager beim Zusammenbau führt ebenfalls zu vorzeitigem Verschleiß. Ist das Lagerspiel kleiner als vorgeschrieben, ist die Schmierung erschwert, was wie bei "Ölhunger" zu Verschleiß führt. Schmutz oder kleine Partikel unter der Lagerschale führen zu einem lokalen Anheben der Schale und zu verstärktem Verschleiß an dieser Stelle.
Berühren Sie bei der Montage die Oberflächen der Lagerschalen nicht mit den Fingern. Andernfalls können die Oberflächen zerkratzt werden oder Schmutzpartikel auf die Schale gelangen.
Wie bereits erwähnt, müssen bei einer Motorinstandsetzung die Haupt- und Pleuellagerschalen unbedingt ersetzt werden. Missachtung dieser Vorschrift und Sparen bei der Reparatur führen zu äußerst unerwünschten Folgen.
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