Steuerriemen und Riemenscheiben – Ausbau und Einbau
Hinweis: Vor dem Fortfahren die Warnung in Abschnitt 8 beachten. Bei Modellen ab Mitte 1985 (ohne Zahnriemenspannfeder) sollte die Riemenspannung nach dem Einbau mit dem Ford-Spezialwerkzeug Nr. 21-113 geprüft werden. Bei Modellen bis Mitte 1985 (mit Spannfeder) wird für die Schraube der Zahnriemenspannfeder ein passender Vielzahnsteckschlüssel benötigt. Zum Abziehen der Zahnräder kann ein geeigneter Abzieher erforderlich sein.
Ausbau
1 Wenn der Motor eingebaut ist, folgende Arbeiten ausführen:
a) Minuskabel der Batterie abklemmen b) Thermo-Visco-Lüfter ausbauen c) Antriebsriemen von Kühlmittelpumpe/Lichtmaschine/Servopumpe ausbauen
d) Für besseren Zugang den Kühler ausbauen und den oberen Kühlerschlauch vom Thermostatgehäuse abziehen
2 Die drei Befestigungsschrauben mit Scheiben herausdrehen und die Steuerriemenabdeckung abnehmen. Die Lage der vierten Schraube oberhalb der Kurbelwellenriemenscheibe beachten; sie kann eingeschraubt bleiben.
3 Mit einem Steckschlüssel an der Kurbelwellenriemenscheibenschraube den Motor im Uhrzeigersinn drehen, bis die OT-Markierung (oberer Totpunkt) an der Kurbelwellenriemenscheibe mit dem Zeiger am Kurbelwellen-Simmerringgehäuse fluchtet (siehe Abbildung 16.2a in Kapitel 5) und der Zeiger an der Rückplatte des Nockenwellenzahnrads mit der Einkerbung am Zylinderkopf fluchtet (siehe Abbildung).

19.3 OT-Markierung auf der Rückplatte des Nockenwellenrads fluchtet mit der Vertiefung am Zylinderkopf
4 Bei Modellen bis Mitte 1985 (mit Spannfeder) die Schraube der Zahnriemenspannfeder mit dem speziellen Vielzahnsteckschlüssel lösen (siehe Abbildung),

19.4 Lösen der Schraube der Steuerriemenspannfeder mit Keilprofil-Steckschlüssel – Modelle bis Mitte 1985
dann die Schwenkschraube des Spanners lösen. Falls für besseren Zugang nötig, das Thermostatgehäuse ausbauen. Den Spanner gegen die Federkraft drücken und die Schwenkschraube festziehen, um den Spanner in der gelösten Stellung zu halten.
5 Bei Modellen ab Mitte 1985 (ohne Spannfeder) die Schrauben des Zahnriemenspanners lösen (siehe Abbildung) und den Spanner vom Riemen weg bewegen. Falls für besseren Zugang nötig, das Thermostatgehäuse ausbauen.

19.5 Schrauben des Steuerriemenspanners (Pfeile) – Modelle ab Mitte 1985
6 Wenn der Riemen wiederverwendet werden soll, seine Laufrichtung markieren, dann vom Nockenwellenzahnrad abziehen.
7 Die Kurbelwellenriemenscheibenschraube lösen. Die Kurbelwelle gegen Verdrehen sichern, indem man den 5. Gang einlegt (nur Schaltgetriebe) und ein Helfer die Bremse kräftig tritt, oder indem man den Anlasser ausbaut und die Zahnkranzzähne mit einem Hebel blockiert. Alternativ, falls die Riemenscheibe Schraubenbohrungen am Umfang hat, ein paar Schrauben eindrehen und mit einem Hebel dazwischen blockieren. Die Kurbelwelle nicht zu weit drehen, da sonst Kolben- und Ventilkontakt auftreten kann.
8 Schraube und Scheibe entfernen und die Riemenscheibe abziehen. Lässt sie sich nicht leicht abnehmen, die Schraube teilweise wieder eindrehen und einen Abzieher verwenden (siehe Abbildung).

19.8 Abziehen einer aufgepressten Kurbelwellenriemenscheibe mit einem Abzieher
Bei Modellen mit Benzineinspritzung wird fast sicher ein Abzieher benötigt.
9 Die Führungsscheibe vor dem Kurbelwellenzahnrad entfernen und dann den Zahnriemen abnehmen (siehe Abbildung).

19.9 Ausbau der Führungsscheibe von der Kurbelwelle
Wenn er wiederverwendet werden soll, nicht knicken und nicht mit Öl in Berührung bringen.
10 Falls gewünscht, kann das Zahnrad wie folgt ausgebaut werden; andernfalls mit Absatz 21 fortfahren.
11 Das Kurbelwellenzahnrad ausbauen; dazu die Schraube teilweise wieder eindrehen und falls nötig einen Abzieher verwenden (siehe Abbildung).

19.11 Ausbau des Kurbelwellenzahnrads
12 Die Schraube des Zahnrads der Hilfswelle lösen, während das Zahnrad mit einem durch eine der Bohrungen gesteckten Schraubendreher festgehalten wird.
13 Das Zahnrad der Hilfswelle ausbauen; dazu die Schraube teilweise wieder eindrehen und falls nötig einen Abzieher verwenden (siehe Abbildung).

19.13 Ausbau des Zahnrads der Hilfswelle
14 Das Nockenwellenzahnrad mit einem selbst angefertigten Werkzeug ähnlich dem abgebildeten (siehe Abbildung 18.17 in Teil C dieses Kapitels) festhalten, wobei zwei Schrauben in die Bohrungen des Zahnrads greifen, und Schraube und Scheibe lösen.
Alternativ die Nockenwellenabdeckung abnehmen und die Nockenwelle mit einem Schlüssel am Ansatz hinter dem Nocken für Ventil Nr. 6 festhalten.
15 Das Nockenwellenzahnrad ausbauen; dazu die Schraube teilweise wieder eindrehen und falls nötig einen Abzieher verwenden. Dann die Rückplatte abnehmen und dabei notieren, in welcher Richtung sie montiert ist (siehe Abbildungen).

19.15a Ausbau des Nockenwellenzahnrads . . .

19.15b . . . und der Rückplatte
16 Falls gewünscht, kann der Nockenwellen-Simmerring mit selbstschneidenden Schrauben und einer Zange entfernt werden. Ein neuer Simmerring wird mit einem passenden Rohrdorn eingepresst.
Die Dichtlippen vor dem Einbau mit sauberem Motoröl benetzen.
Einbau
17 Die Zahnräder wie folgt einbauen.
18 Die Rückplatte des Nockenwellenzahnrads wie beim Ausbau notiert anbauen, dann das Zahnrad montieren.
Die Schraube einsetzen, die Nockenwelle oder das Zahnrad wie beim Ausbau festhalten und die Schraube mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Falls zutreffend, die Nockenwellenabdeckung wieder montieren.
19 Das Zahnrad der Hilfswelle mit den Rippen zum Motor hin montieren. Die Zahnradschraube einsetzen und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen; dabei das Zahnrad mit einem Stab durch eine der Bohrungen gegenhalten.
20 Das Kurbelwellenzahnrad mit der abgeschrägten Seite nach innen montieren.
21 Den Zahnriemen über das Kurbelwellenzahnrad legen, aber noch nicht mit den anderen Zahnrädern in Eingriff bringen. Darauf achten, den Riemen nicht zu knicken.
Wird der alte Riemen wiederverwendet, die zuvor notierte Laufrichtung beachten.
22 Die Führungsscheibe und die Kurbelwellenriemenscheibe montieren. Schraube und Scheibe einsetzen und nur so weit anziehen, dass die Riemenscheibe aufsitzt; dabei darauf achten, die Kurbelwelle nicht zu verdrehen.
23 Prüfen, dass der OT-Zeiger an der Rückplatte des Nockenwellenzahnrads noch mit der Einkerbung am Zylinderkopf fluchtet.
24 Prüfen, dass die OT-Markierung an der Kurbelwellenriemenscheibe noch mit dem Zeiger am Ölabdichtungsgehäuse fluchtet. Falls nötig, die Kurbelwelle auf dem kürzesten Weg drehen, bis die Markierungen fluchten.
25 Ist der Zündverteiler eingebaut, das Zahnrad der Hilfswelle so drehen, dass der Verteilerfinger auf die Position des Hochspannungssegments für Zylinder Nr. 1 im Verteilerdeckel zeigt.
26 Den Zahnriemen über die Zahnräder und um den Spanner legen.
27 Bei Modellen bis Mitte 1985 (mit Spannfeder) die Schwenkschraube lösen und die Spannrolle am Riemen anliegen lassen. Mit einer Steckschlüsselnuss auf der Schraube der Kurbelwellenriemenscheibe die Kurbelwelle zwei volle Umdrehungen im Uhrzeigersinn drehen, bis Zylinder 1 wieder auf OT steht. Die Schwenkschraube der Spannrolle und danach die Federschraube mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Die Kurbelwelle bei gelöstem Riemenspanner nicht gegen den Uhrzeigersinn drehen. Weiter mit Absatz 33.
28 Bei Modellen ab Mitte 1985 (ohne Spannfeder) die Spannrolle so verschieben, dass der Riemen grob gespannt ist, und die Spannrollenschrauben leicht anziehen. Mit einer Steckschlüsselnuss auf der Schraube der Kurbelwellenriemenscheibe die Kurbelwelle zwei volle Umdrehungen im Uhrzeigersinn drehen (bis Zylinder 1 wieder auf OT steht), dann die Kurbelwelle um 60° gegen den Uhrzeigersinn drehen (Zylinder 1 auf 60° vor OT) (siehe Abbildung).

19.28 Reihenfolge der Zahnriemenspannungsprüfung – Modelle ab Mitte 1985
A Zylinder 1 auf OT B Zylinder 1 auf 60° vor OT zur Kontrolle C Zylinder 1 zur Einstellung zurück auf OT
29 Die Riemenspannung ist nun mit dem Ford-Spannungsmessgerät, Werkzeug Nr. 21-113, am längsten Riementrum zu prüfen. Die Sollwerte am Messgerät sind:
Gebrauchter Riemen - 4 bis 5
Neuer Riemen - 10 bis 11
Steht kein Spannungsmessgerät zur Verfügung, gilt als grober Richtwert: Die Riemenspannung ist richtig, wenn sich der Riemen in der Mitte des längsten Trums mit mäßigem Fingerdruck um 90° verdrehen lässt (siehe Abbildung).

19.29 Verdrehen des Zahnriemens zur Beurteilung seiner Spannung
In diesem Fall sollte das Fahrzeug möglichst bald zu einem Ford-Händler gebracht werden, damit die Riemenspannung mit dem Spezialmessgerät geprüft werden kann.
30 Ist eine Einstellung der Riemenspannung erforderlich, die Kurbelwelle im Uhrzeigersinn drehen, bis Zylinder 1 auf OT steht. Dann die Spannrollenschrauben lösen und die Spannrolle verschieben, um die Riemenspannung zu erhöhen oder zu verringern. Die Spannrollenschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
31 Die Kurbelwelle 90° im Uhrzeigersinn über OT hinaus drehen, dann gegen den Uhrzeigersinn zurück in die Position 60° vor OT drehen (Zylinder 1 auf 60° vor OT).
Riemenspannung erneut prüfen.
32 Die Arbeitsschritte aus den Absätzen 30 und 31 wiederholen, bis die Riemenspannung stimmt.
33 Die Schraube der Kurbelwellenriemenscheibe mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Dabei die Kurbelwelle wie in Absatz 7 beschrieben gegen Drehen sichern (siehe Abbildung).

19.33 Halten einer Kurbelwellenriemenscheibe mit Preßsitz mit zwei Schrauben und einem Hebel beim Anziehen der Schraube
34 Den Steuerdeckel wieder anbauen und seine Schrauben anziehen.
35 Ist der Motor eingebaut, die Arbeiten aus Absatz 1 in umgekehrter Reihenfolge ausführen.
36 Beim nächsten Motorstart die korrekte Zündzeitpunkt-Einstellung prüfen.
Testen Sie sich
Ein kurzes Quiz zum Ford Sierra: Zu jeder Antwort gibt es eine Erklärung und einen Link zur Handbuchseite.